GESPA: Wie die Schweizer Aufsicht Sportwetten reguliert
Inhaltsverzeichnis
- Eine Behörde, zwei Gesichter — Konzessionsgeber und Spielerschützer in einem
- Mandat und Rolle — die interkantonale Vereinbarung als Fundament
- Bewilligungen 2024 — die Zahlen aus dem letzten Jahresbericht
- Sperrlisten und Domain-Blocking — das endlose Räuber-und-Polizei-Spiel
- Spielerschutz-Studien und die geplante 2026/2027-Erhebung

Eine Behörde, zwei Gesichter — Konzessionsgeber und Spielerschützer in einem
Die Interkantonale Geldspielaufsicht — kurz GESPA — ist die merkwürdigste Behörde im Schweizer Geldspielsystem, weil sie zwei strukturell widersprüchliche Funktionen unter einem Dach vereint. Auf der einen Seite gibt sie Lizenzen aus und erlaubt den Schweizer Lotteriegesellschaften, Sportwetten anzubieten — Sporttip von Swisslos in der Deutschschweiz, Jouez Sport von der Loterie Romande in der Westschweiz. Auf der anderen Seite überwacht sie genau diese Anbieter und ist verantwortlich dafür, dass Spielerschutz, Geldwäscherei-Prävention und Markttransparenz eingehalten werden.
GESPA Sportwetten Schweiz ist deshalb nicht nur eine Regulierungs-Geschichte, sondern eine Geschichte über die institutionelle Spannung zwischen Marktöffnung und Verbraucherschutz. Wer in der Schweiz Rugby League oder andere Sportarten bewettet, bewegt sich in einem System, das die GESPA wesentlich mit gestaltet — direkt durch die Konzessionsentscheidungen, indirekt durch die Sperrlisten gegen Offshore-Anbieter.
In diesem Text gehe ich die Rolle und das Mandat der GESPA durch, zeige die konkreten Bewilligungs-Zahlen aus 2024, erkläre, wie die Sperrliste funktioniert und warum Offshore-Anbieter sie regelmässig umgehen, und schliesse mit der laufenden Spielerschutz-Studie und der 2026/2027-Erhebung.
Mandat und Rolle — die interkantonale Vereinbarung als Fundament
Die GESPA hat ihre rechtliche Grundlage in einer interkantonalen Vereinbarung der Schweizer Kantone. Anders als die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK), die direkt vom Bund eingesetzt ist und Casinos beaufsichtigt, ist die GESPA eine kantonal getragene Behörde. Diese Konstruktion spiegelt die Schweizer Föderalismus-Tradition wider: Lotterien und Sportwetten waren historisch eine kantonale Angelegenheit, und mit der BGS-Reform 2019 wurde die GESPA als überkantonale Koordinationsstelle eingesetzt.
Der Aufgabenkatalog der GESPA umfasst mehrere Bereiche. Sie bewilligt Geldspiele und Spielveränderungen für die Schweizer Lotteriegesellschaften. Sie überwacht die Marktkonformität dieser Spiele. Sie ist zuständig für die Sperrliste gegen Offshore-Anbieter, die in der Schweiz nicht lizenziert sind. Und sie kooperiert mit der ESBK in Spielerschutz-Studien, die das Geldspielverhalten in der Schweiz quantitativ erfassen.
Die operative Arbeit der GESPA stützt sich auf einen vergleichsweise kleinen Mitarbeiterstab — die Behörde ist nicht so personell ausgestattet wie internationale Regulierungs-Behörden grosser Märkte. Das hat strukturelle Konsequenzen: die GESPA setzt auf hohe Konzentration der Lizenzen (im Sportwetten-Bereich nur zwei Lotteriegesellschaften), starke Sperrlisten-Mechanismen und enge Zusammenarbeit mit den lizenzierten Anbietern selbst.
Der zweite strukturelle Punkt: die GESPA ist Verbandsbehörde, nicht Polizeibehörde. Sie kann Bewilligungen erteilen oder entziehen, sie kann Anbieter rügen und Massnahmen verlangen, aber sie kann nicht direkt Spielbanken-Räumlichkeiten durchsuchen oder Spieler vor Ort kontrollieren. Das macht ihre Arbeit administrativ-juristisch und weniger exekutiv.
Bewilligungen 2024 — die Zahlen aus dem letzten Jahresbericht
Der GESPA-Jahresbericht 2024 dokumentiert die operative Arbeit des letzten vollen Geschäftsjahres in konkreten Zahlen. 2024 wurden den Schweizer Lotteriegesellschaften 55 neue Spiele bewilligt, 76 nachträgliche Spielveränderungen vorgenommen sowie 45 Genehmigungen für Gratisspiele erteilt. Diese Bewilligungs-Aktivität zeigt, dass der Schweizer Geldspielmarkt nicht stagniert, sondern sich kontinuierlich erweitert — neue Spiele, neue Märkte, neue Varianten bestehender Wett-Formen.
Im Bereich der lokalen Sportwetten haben 2024 vier Schweizer Kantone insgesamt acht Bewilligungen erteilt. Diese kantonalen Bewilligungen sind ein zweiter Lizenz-Strang neben den überkantonalen Konzessionen der grossen Lotteriegesellschaften. Sie betreffen meist kleinere, regional begrenzte Wett-Aktivitäten — Vereinsturniere, lokale Sportevents — die nicht im nationalen Markt-Mainstream stehen.
Im selben Geschäftsjahr 2024 erzielten interkantonal, automatisiert oder online durchgeführte Lotterien und Sportwetten in der Schweiz einen Umsatz von 3,97 Milliarden Franken, ein Plus von 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Marktgrösse macht die Bewilligungs-Aktivität der GESPA strukturell wichtig — jede neue Spielform, jede Spielveränderung verschiebt potenziell Milliarden-Bruchteile an Umsatz.
Was im Jahresbericht nicht direkt sichtbar wird, aber implizit präsent ist: die GESPA agiert mit hoher Bewilligungs-Quote. Anträge der Schweizer Lotteriegesellschaften werden in der Regel positiv beschieden, weil die Antragsteller bereits Lizenznehmer sind und die Spielmechaniken in einem strukturierten Format eingereicht werden. Ablehnungen sind selten und werden meist nicht öffentlich kommuniziert.
Sperrlisten und Domain-Blocking — das endlose Räuber-und-Polizei-Spiel
Die Sperrliste der GESPA ist eines der zentralen Werkzeuge gegen Offshore-Anbieter. Webseiten von Wettanbietern, die in der Schweiz nicht lizenziert sind, werden auf eine Liste gesetzt, und Schweizer Internet-Provider sind gesetzlich verpflichtet, den Zugriff auf diese Domains zu sperren. Wer von einem Schweizer Anschluss aus eine gesperrte Domain aufruft, sieht eine Hinweisseite der GESPA, die auf die Sperrung verweist.
In der Praxis ist die Sperrliste weniger wirksam, als die Mechanik suggeriert. Die Schweizer Lotterie-Gesellschaft-Direktion und die GESPA selbst räumen die Lücken offen ein. Der GESPA-Direktor Manuel Richard formulierte es in einem Watson.ch-Interview: einzelne Anbieter umgingen die Sperre, indem sie ihren Spielern einfach eine neue URL zusendeten. Mit gewissen Seiten sei es ein endloses Räuber-und-Polizei-Spielen, da sie immer wieder ihre Domain anpassten.
Diese Lücken sind systemisch bedingt. Die Sperrliste arbeitet auf Domain-Ebene. Wer den Domain-Namen ändert — etwa von „anbieter.com“ zu „anbieter2.com“ — entgeht der Sperre, bis die GESPA die neue Domain identifiziert und auf die Liste setzt. Dieser Prozess dauert oft Tage oder Wochen. In dieser Zeit ist der Anbieter wieder zugänglich.
VPN-Nutzung ist die zweite Umgehungsschicht. Wer einen VPN nutzt, der seinen Internet-Zugang über einen Server in einem anderen Land routet, kann auf gesperrte Seiten zugreifen, weil die Sperre nur auf Schweizer Internet-Anschlüssen wirkt. Die GESPA hat keine direkten Werkzeuge gegen VPN-Nutzung — das wäre rechtlich und technisch ungleich aufwendiger als Domain-Sperrung.
Die strukturelle Limitierung der Sperrliste hat die GESPA seit 2023 zu Ergänzungs-Strategien geführt. Bewusstseinsbildung über die Risiken von Offshore-Anbietern, Kooperation mit Banken zur Sperrung von Zahlungen an unbekannte Wettempfänger, internationale Kooperation mit anderen Regulierungs-Behörden — alles Versuche, die Wirkung der Sperrliste indirekt zu verstärken. Ergebnisse sind teilweise sichtbar, das grundsätzliche Räuber-und-Polizei-Spiel bleibt aber bestehen.
Spielerschutz-Studien und die geplante 2026/2027-Erhebung
Die GESPA hat zusammen mit der ESBK die ESBK/Gespa-Studie 2022 zum Geldspielverhalten in der Schweiz publiziert. Diese Studie basiert auf der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2022 und liefert die aktuellsten quantitativen Daten zum Spielverhalten in der Bevölkerung. Die Studie zeigt, dass 63,7 Prozent der 2022 in der Schweiz befragten Personen schon einmal an Geldspielen teilgenommen haben — 2017 waren es noch 55,0 Prozent. Die Geldspielprävalenz steigt also kontinuierlich.
Im Bereich Sportwetten zeigt die Studie eine besorgniserregende Konzentration: bei Sportwetten bei Schweizer Lotteriegesellschaften liegt der Anteil risikoreich beziehungsweise pathologisch Spielender bei 21,6 Prozent. Diese Quote ist deutlich höher als die Durchschnittsprävalenz risikoreichen Spielens in der Gesamtbevölkerung, die laut Lebenszeit-Berechnung bei 5,8 Prozent liegt.
Eine neue nationale Schweizer Geldspielstudie wird 2026 erhoben und 2027 publiziert. Sie wird vom Bundesamt für Statistik durchgeführt und vom Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung ausgewertet. Diese Folge-Studie wird die Entwicklung seit 2022 abbilden — vor allem, wie sich die Online-Prävalenz und die Sportwetten-spezifische Risikoquote entwickelt haben.
Aus regulatorischer Sicht ist diese Studie zentral. Sie wird die Grundlage für mögliche Anpassungen der GESPA-Bewilligungs-Praxis bilden, etwa schärfere Limits für Live-Wetten oder zusätzliche Identifikations-Anforderungen für Hochbetrags-Wetten. Die GESPA hat in ihren öffentlichen Statements signalisiert, dass die 2027er Studien-Ergebnisse aktiv in Regulierungs-Entscheidungen einfliessen werden. Mehr zur Bundesgesetz-Grundlage und ihrer praktischen Auswirkung auf Rugby-League-Wetten steht in den BGS-Erläuterungen.
Wer kontrolliert GESPA selbst?
Die GESPA wird durch die kantonale Konferenz der Justiz- und Polizeidirektorinnen und Direktoren (KKJPD) übergeordnet kontrolliert. Daneben ist sie der parlamentarischen Aufsicht der beteiligten Kantone unterstellt und unterliegt Rechnungsprüfungen durch externe Revisoren. Die Bundesversammlung hat keinen direkten Kontroll-Zugriff, weil die GESPA eine interkantonale und nicht eine Bundes-Behörde ist.
Kann ich GESPA direkt anschreiben?
Ja. Die GESPA hat Kontakt-Wege für Bürgerinnen und Bürger eingerichtet, die Anfragen, Hinweise oder Beschwerden einreichen wollen. Webseite und Postanschrift sind öffentlich zugänglich. Für Verdachtsmeldungen zu Manipulation oder Spielerschutz-Themen gibt es spezifische Meldeformulare. Allgemeine Auskünfte zur Wett-Lizenz, Sperrliste oder Spielerschutz-Themen werden in der Regel binnen weniger Wochen schriftlich beantwortet.
Geschrieben von der Redaktion „Rugby League Wetten Schweiz”.
